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Schematische Darstellung zweier räumlich getrennter Revaskularisierungswege im Glioblastom nach Strahlentherapie: VEGFA-getriebene Angiogenese und CXCL12-getriebene Vaskulogenese mit den jeweiligen Inhibitoren.

Multizentrische GLORIA-Studie: Duale Inhibition von CXCL12 und VEGF begleitend zur Strahlentherapie beim neu diagnostizierten Glioblastom

Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom, unmethyliertem MGMT-Promotor und inkompletter Resektion haben eine besonders ungünstige Prognose, da der Nutzen einer alkylierenden Chemotherapie in dieser Konstellation begrenzt ist. Ein zentraler Treiber des Rezidivs ist die rasche Wiederherstellung der Tumorvaskularisierung nach Strahlentherapie.

Die Autor:innen erarbeiteten zunächst eine mechanistische Grundlage über eine schrittweise räumliche Analyse: TCGA-Bulk-RNA-Sequenzierung, regionale Gewebekartierung aus dem Ivy Glioblastoma Atlas Project, Multiplex-Immunfluoreszenz sowie räumliche Transkriptomik an patienteneigenen Glioblastom-Organoiden und frisch reseziertem Gewebe. Die VEGFA-Expression korrelierte eng mit Hypoxie in perinekrotischen Arealen, während CXCL12 überwiegend an Endothelzellen in den Zonen der mikrovaskulären Proliferation und der Tumorinfiltration lokalisiert war, weitgehend unabhängig von Hypoxie. Diese Befunde stützen die Hypothese, dass Angiogenese und Vaskulogenese räumlich getrennte, nicht redundante Mechanismen des vaskulären Remodelings darstellen, und begründen einen therapeutischen Ansatz, der beide Signalwege adressiert.

Die multizentrische Phase-1/2-Studie GLORIA (NCT04121455), durchgeführt an sechs deutschen neuroonkologischen Zentren, umfasste einen Expansionsarm mit sechs Patient:innen, die Strahlentherapie in Kombination mit dem CXCL12-neutralisierenden L-RNA-Aptamer NOX-A12 (Olaptesed Pegol) und dem VEGF-gerichteten Antikörper Bevacizumab erhielten. Die Dreifachkombination wurde gut vertragen, dosislimitierende Toxizitäten und behandlungsbedingte Todesfälle traten nicht auf. Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 9,1 Monaten, das mediane Gesamtüberleben bei 19,9 Monaten, gegenüber 5,7 bzw. 12,7 Monaten unter Strahlentherapie plus NOX-A12 allein (p = 0,009 und p = 0,021). Zwei der sechs Patient:innen überlebten länger als zwei Jahre, und die mediane maximale Veränderung des stark perfundierten Tumoranteils (FTBhigh) gegenüber Baseline betrug −98,2 %.

Die strukturierte Bildauswertung war fester Bestandteil der Studie. Die MRT-Untersuchungen wurden über den gesamten Studienverlauf erhoben und zentral von einem Facharzt für Radiologie befundet, verblindet gegenüber Studienzentrum und klinischem Status. Innerhalb dieses Auswertungs-Workflows unterstützte mint Lesion die strukturierte Identifikation, Validierung und longitudinale Beurteilung von Target- und Non-Target-Läsionen, ergänzt um weitere Softwarelösungen für Bildnachverarbeitung und Auswertung. Das radiologische Ansprechen wurde nach den Kriterien der modified Response Assessment in Neuro-Oncology (mRANO) beurteilt, einschließlich der Messungen auf Basis der Summe der senkrecht zueinander stehenden Durchmesser.

Die Autor:innen schließen daraus, dass die Ergebnisse einen Proof of Principle für die duale Inhibition von CXCL12 und VEGF in Kombination mit Strahlentherapie liefern und eine weitere Untersuchung in größeren Studien rechtfertigen. Die GLORIA-Studie verdeutlicht zugleich den Stellenwert einer strukturierten, longitudinalen Bildauswertung in komplexen neuroonkologischen Studien, in denen eine konsistente Läsionsverfolgung und standardisierte Ansprechkriterien für die Beurteilung von Therapieansprechen und Progression unverzichtbar sind.

 

Die vollständigen räumlichen Analysen, das Studiendesign sowie die Sicherheits- und Überlebensdaten finden sich in der Originalpublikation:

Giordano, F.A., Layer, J.P., Turiello, R. et al. L-RNA aptamer-based CXCL12 inhibition combined with radiotherapy and bevacizumab in newly-diagnosed glioblastoma: expansion of the phase I/II GLORIA trial. Nat Commun (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-71362-7

Abbildung aus der Originalpublikation, lizenziert unter CC BY 4.0. Enthält Elemente aus Servier Medical Art (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/).

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