Wie 37 Universitätskliniken eine gemeinsame Plattform für radiologische Bilddaten aufgebaut haben und welche Schritte als Nächstes anstehen
Bei den RACOON Research Days in Tübingen Anfang Oktober 2026 kamen Vertreter:innen des Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), Forschende und IT-Teams aus dem RACOON-Netzwerk sowie technische Partner zusammen. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Stand des Projekts, seine Weiterentwicklung und die Aufgaben, die noch vor dem Netzwerk liegen.
Am Rande der Veranstaltung haben wir mit Ralf Heyder gesprochen, dem Leiter der NUM-Koordinierungsstelle an der Charité. Im Kurzinterview ordnet er RACOON aus Sicht des NUM ein: Was das Netzwerk erreichen will, welche Rolle RACOON darin spielt und wohin sich die Plattform entwickeln soll.
Was ist das NUM und welche Ziele verfolgt es?
Das Netzwerk Universitätsmedizin ist ein Verbund aller 37 deutschen Universitätskliniken. Sie haben sich als Reaktion auf die COVID-Pandemie im Bereich der klinischen Forschung zusammengeschlossen, und zwar aus der Erkenntnis heraus, dass wir zu Beginn der Pandemie in Deutschland weder große klinische Studien ausrollen noch die Routinedaten aus der Patientenversorgung auf Bundesebene zusammenführen konnten. An diesen Problemen arbeitet das Netzwerk inzwischen seit über sechs Jahren. Es hat Lösungen aufgebaut, mit denen solche großen klinischen Studien und die bundesweite Nutzung von Patientendaten künftig möglich werden.
Welche Rolle spielt RACOON im NUM und was zeichnet es aus?
Das Netzwerk Universitätsmedizin baut für verschiedene Arten medizinischer Daten Infrastrukturen auf, um diese Daten über alle 37 Standorte hinweg zu teilen. RACOON ist eine dieser Infrastrukturen. Sie ist auf Bilddaten spezialisiert, also MRTs, CTs und andere große Bilddatensätze, führt diese Daten zusammen und stellt sie Forschenden zur Verfügung. Das Besondere an RACOON: Es ist die erste Plattform dieser Art in Deutschland und nach unserem Kenntnisstand auch weltweit einzigartig, weil hier 37 rechtlich selbstständige Kliniken freiwillig ihre Daten teilen.
Wo steht RACOON heute und wohin soll es sich entwickeln?
RACOON hat in den letzten sechs Jahren gezeigt, dass der Ansatz funktioniert, alle 37 Unikliniken in Deutschland im Bereich der Bilddaten auf eine gemeinsame Plattform zu bringen. Die Herausforderung besteht jetzt darin, aus einigen wenigen erfolgreichen Forschungsprojekten, die im NUM bereits als Proof of Concept umgesetzt wurden, viele zu machen, also zu skalieren.
Das zweite große Thema: Die Plattform wurde bisher vor allem von der Radiologie genutzt und entwickelt. Jetzt sollen weitere Fachgebiete hinzukommen, zum Beispiel die Strahlentherapie, die Nuklearmedizin oder die Pathologie, damit in Deutschland eine wirklich interdisziplinäre Plattform für die Bilddatenforschung entsteht.



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